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Touchscreen für den Medion Akoya Mini

Bereits bei der ersten Eee PC Generation haben sich kreative Modder daran gemacht, ihre Netbooks mit Touchscreens auszustatten und sie um ein weiteres Eingabegerät zu bereichern. Da auch der Medion Akoya Mini größenbedingt nur über ein vergleichsweise kleines Touchpad verfügt, stellt ein Touchscreen ein erheblicher Gewinn für die Bedienbarkeit des Netbooks dar. Auch in Sachen Mobilität müssen bei einem Touchscreen im Medion Akoya keine Abstriche gemacht werden, da das Panel intern verbaut wird und kein zusätzliches Eingabegerät, wie z.B. eine Maus, mitgeführt werden muss. Inzwischen scheinen das selbst die Hersteller so oder zumindest so ähnlich zu sehen. Erst kürzlich hat Asus für 2009 eine Variante des Eee PCs mit Touchscreen angekündigt. Für den Medion Akoya Mini heißt es freilich noch, selber Hand anzulegen – was außerdem mehr Spaß macht! Hier meine gesammelten Erfahrungen dazu:

Vorneweg: Wer einen Touchscreen in sein Netbook einbaut, sollte sich im Klaren darüber sein, dass damit die Garantie für das Gerät erlischt! Außerdem kann bei Umbauten die Hardware des Netbooks beschädigt werden und es im schlimmsten Fall überhaupt nicht mehr funktionieren. Ich übernehme keinerlei Haftung für das, was Leser mit dieser Dokumentation machen. Wer an seinem Netbook herumbastelt, tut das auf eigene Gefahr!

Touchscreen Panel

Mit das Schwierigste an diesem Mod ist, überhaupt ein passendes Touchscreen Panel zu bekommen. Bei den üblichen Quellen wie ebay.com finden sich beispielsweise zahlreiche preiswerte Touchscreen Kits für Netbooks mit kleineren Displaydiagonalen von 7 oder 8.9 Zoll. Die nächstgrößeren Touchscreens haben bereits eine Diagonale von 10.4 Zoll bei einem Seitenverhältnis von vier zu drei, was leider nicht auf das 10.2 Zoll Display im Widescreen-Format des Medion Akoyas passt. Auch beim Stöbern durch die Webseiten diverser Hersteller fand sich leider kein einziges passendes Panel. So zog sich der von vorneherein geplante Mod doch erheblich in die Länge. Schließlich meldete sich im Msiwind.net Forum das Mitglied ziguan aus den USA, der Kontakt zu einem Hersteller hatte und sich zu einer Sammelbestellung bereit erklärte. Von da an ging alles ganz schnell: Kontakt aufgenommen und bestellt, per Paypal bezahlt und gewartet. Nach ein bis zwei Wochen kam das heiß ersehnte Touchscreen Panel endlich an. Für die Mühe an dieser Stelle ein herzlicher Dank an ziguan.

Eigentlich erwarte ich, dass sich die Verfügbarkeit von Touchscreen Panels mit einer Diagonale von 10.2 verbessern wird. Auch deswegen, weil immer mehr Hersteller auf diese Displaygröße setzen, und wo ein Bedarf ist, wird sich hoffentlich schon bald ein entsprechendes Angebot einstellen, wie das auch schon bei den ersten Netbook Generationen der Fall war. Sollten sich weitere Quellen für das Touchscreen Panel auftun, werde ich sie hier erwähnen:

Das gelieferte Touchscreen Kit besteht aus dem Touchscreen Panel und einem USB Controller (Datenblatt) des taiwanesischen Herstellers EETI sowie den beiden Kabeln für die Verbindung. So sieht das gelieferte Touchscreen Kit aus:

Vorüberlegungen zum Touchscreen Mod

Der Controller des Touchscreens soll per USB an das Netbook angeschlossen werden. Dazu stehen im Medion Akoya Mini derzeit zwei bekannte Ports zur Verfügung. Einer der internen USB Ports ist bereits vom nachgerüsteten Bluetooth Modul belegt. Bleibt also der zweite am Mini PCIe Steckplatz übrig. Diese Anschlussmöglichkeit war bereits in den Eee PCs die Basis vieler Modding Projekte. Der USB Port ist Teil des Schnittstellen Standards und dadurch leicht auffind- und nutzbar. Allerdings steht dort keine Spannungsversorgung mit 5V zur Verfügung. Diese muss also an anderer Stelle abgezwackt werden - dazu später mehr.

Einen weiteren Gedanken kann man daran verschwenden, wie der Mod zukünftige Arbeiten am Netbook beeinflussen könnte. Um das Display auch später noch komplett vom anderen Teil des Netbooks trennen zu können, sollte (wie das bei allen anderen Komponenten, die über die Scharniere laufen, auch der Fall ist) unbedingt eine Steckverbindung eingebaut werden. Dabei wäre es überlegenswert, diese Steckverbindung zwischen USB Port und Touchscreen Controller einzufügen. So könnten an den USB Port später relativ einfach auch andere Geräte angesteckt werden (falls z.B. das Touchscreen Panel irgendwann zu Bruch gehen sollte).

Augrund der relativ großen Abmessungen ergeben sich für die Positionierung des Touchscreen Controllers innerhalb des Gehäuses nicht viele Möglichkeiten. Deshalb wird hier Ziguan’s Lösung auf dem Arbeitsspeicher übernommen.

Öffnen des Medion Akoya Minis

Nachdem der Netzstecker abgezogen und der Akku herausgenommen wurde, kann das Gehäuse des Medion Akoya Minis geöffnet werden. Dazu dreht man zuerst die neun mit roten Kreisen markierten Schrauben heraus.

Anschließend können mit etwas Geduld die Plastikhaken zwischen den beiden Gehäuseteilen gelöst und der untere Gehäusedeckel abgenommen werden. Dabei sollte man auf die externen Anschlüsse wie VGA, USB, etc. achten, die teilweise ein wenig im unteren Deckel festsitzen.

Abnehmen des Displays

Zunächst muss das Display vom unteren Teil des Netbooks getrennt werden, damit das geöffnet werden kann. Als erstes zieht man die beiden Antennen (graues und schwarzes Kabel) von der Wlan PCIe Karte ab. Anschließend werden die Stecker der Webcam (am linken Scharnier) und des Displays (am rechten Scharnier) gelöst.

Als nächstes die Schraube herausdrehen, mit der die Wlan PCIe-Karte auf dem Board befestigt ist.

Unter der Wlan PCIe-Karte befindet sich am Ende der verdrillten roten und schwarzen Kabel der Anschluss für das Mikrofon im Display. Auch dieser Stecker kann jetzt abgezogen werden.

Sind alle Stecker wie beschrieben abgezogen, wird als nächstes das Display abgenommen. Dazu ist es hilfreich das Netbook ca. 90° zu öffnen. Dann können die beiden Schrauben an den Scharnieren herausgedreht werden. Jetzt lässt sich das Display problemlos abnehmen. Dabei sollte auf die Plastikteile an den Scharnieren geachtet werden, die leicht abbrechen könnten.

Hat man das geschafft, ist der Medion Akoya Mini in zwei Teile zerlegt.

Vorbereiten für den Anschluss

Bevor auf dem Mainboard gelötet werden kann, müssen zunächst noch der Stecker für die Lautsprecher abgezogen und die Festplatte ausgebaut werden. Dazu dreht man die Befestigungsschraube heraus und zieht die Festplatte anschließend an der Lasche schräg nach oben zurück.

Nun liegt der PCIe Steckplatz mit den Pins für den USB Anschluss frei und ist von allen Seiten gut zugänglich:



Kabel auf das Mainboard löten

Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten die Kabel anzulöten. Beide haben ihre Vor- und Nachteile: Ziguan, von dem der Touchscreen stammt, hat die Kabel an die Unterseite der WLAN-Karte gelötet. Die Pins haben dort zwar fast keinen Abstand, sind dafür aber breiter und „etwas einfacher“ zu löten. Sollte dabei etwas schief gehen, ist schlimmstenfalls die Karte defekt. Allerdings sind die Kabel dann auch fest mit der Karte verbunden. Wer eventuell irgendwann einmal die Karte wechseln möchte oder austauschen muss, darf zwangsläufig die Kabel lösen und wieder anlöten. Deshalb bevorzuge ich die zweite Möglichkeit und befestige die Kabel direkt auf den Pins des Mainboards. Der Nachteile davon: Wenn etwas schief geht, ist eventuell das Mainboard und damit das ganze Netbook ruiniert. Außerdem sind die Pins sehr schmal, was eine mehrfache und besonders sorgfältige Kontrolle der Lötstellen erforderlich macht. Lötanfängern sei an dieser Stelle eindringlich davon abgeraten!

Wie weiter oben bereits erwähnt, stehen an der Mini PCIe Schnittstelle nur die Datenleitungen D+ und D- zur Verfügung. Die Spannungsversorgung von 5V muss an anderer Stelle beschafft werden. Ein weiteres Kriterium ist, dass diese Quelle im Standby Modus abgeschaltet sein sollte. Auch dafür wird man auf dem Mainboard fündig; hier eine Übersicht der Anschlussmöglichkeit:

Von links:
Pin 8: D+
Pin 9: D-
(Bei der Orientierung während dem Löten ist die auf das Mainboard gedruckte weiße Beschriftung hilfreich. Der Buchstabe P liegt bei meinem Mainboard genau bei Pin 8, was sicherheitshalber nachgezählt werden sollte.)

Fertig verlötet und zusätzlich mit Kaptonband isoliert sieht der Anschluss folgendermaßen aus: (Die auf diesem Bild nicht sichtbare Masseleitung kommt vom externen USB Port.)

Die weitere Kabelführung verläuft unterhalb der Festplatte hindurch. Dabei muss insbesondere die Zugänglichkeit für die Schraubverbindungen der Gehäuseteile beachtet werden. Damit die Kabel seitlich neben der Festplatte nach unten geführt werden können, muss von der Festplattenhalterung links und rechts ein kleines Stück abgefeilt werden. Letztlich enden die Kabel in der bereits aus den vorherigen Mods bekannten Buchsenleiste. Hinter dem Steckplatz für den Arbeitsspeicher steht dafür ausreichend Platz zur Verfügung.

Öffnen des Displays

Um das Display öffnen zu können, müssen zuerst die vier Gummipfropfen abgemacht und die darunter liegenden Schrauben herausgedreht werden.

Nun kann der Rahmen auseinandergenommen werden. Die beiden Teile sind mit extrem festsitzenden Klammern verbunden. Das Lösen hat bei mir an den beiden oberen Ecken des Displays am besten geklappt und von dort aus dann weiter rings herum. An den Scharnieren sind (im vorherigen Bild ganz unten) noch zwei kleine Plastikteile angeklemmt. Auf diese Teile sollte besonders geachtet werden! Mir ist leider eines gebrochen. Also macht es bitte besser. Ist der Rahmen um das Display gelöst, lässt sich alles Weitere sehr einfach auseinandernehmen.

Links und rechts sind am Display zwei Metallbügel mit jeweils zwei Schrauben befestigt. Damit später wieder alles zusammenpasst, ohne aus allen Nähten zu platzen, müssen diese beiden Bügel entfernt werden. Ich hatte zwar zunächst gehofft, sie weiterverwenden zu können, weil sie meiner Meinung nach für die Stabilität des Deckels vorgesehen waren, allerdings reicht der Platz für den Zusammenbau damit beim besten Willen nicht aus.

Dann ist in das Gehäuse noch ein schwarzer Schaumstoff geklebt. Auch der muss aus Platzgründen herausgelöst werden. Ohne diesen Puffer ist das Display sicher empfindlicher, als mit; allerdings denke ich, dass das bei etwas Vorsicht keinen allzu großen Nachteil darstellen wird.

Nun folgt der erste Test zur Platzierung des Panels auf dem Display und was soll ich sagen: es passt perfekt und steht an keiner Seite über!

Vor dem Zusammenbau muss zunächst noch der Putzlappen geschwungen und die Oberfläche des Displays gereinigt werden. Jedes Staubkorn würde sonst für immer zwischen Panel und Display bleiben - es sei denn man baut zusätzlich noch eine Ultraschall-Reinigung ein – aber das wäre eine andere Geschichte ... Nach dem Displayputz habe ich ringsherum doppelseitiges Klebeband angebracht. Bleibt zu hoffen, dass das Glas des Panels trotzdem größere Temperaturschwankungen mitmachen wird. Nach dem Verkleben nochmals das Display auf Staub prüfen.

So vorbereitet kann das Touchpanel sorgfältig auf das Display geklebt werden.

Sitzt alles fest, kann die schwarze Buchse vom Touchpanel entfernt werden. Das ist notwendig, weil im Gehäuse wieder einmal nicht genügend Platz dafür vorhanden ist. Vorher sollte man jedoch die Belegung der Pins festhalten (Auf dem schwarzen Plastik ist eine 1 markiert, die sich in weißer Schrift ganz klein auch auf der Platine des Controllers aufgedruckt findet.) Ist die Buchse entfernt, können die flexiblen Kabel an das Touchpanel gelötet werden. Ich habe dazu das mitgelieferte Kabel verwendet, von dem ich zuvor die Stecker abgeschnitten habe.

Da das Display des Akoyas nicht mehr mit dem Gehäuse verschraubt wird, habe ich es wieder mit doppelseitigem Klebeband in das Gehäuse geklebt. Das Anschlusskabel des Touchpanels wird hinter dem Display geführt und ragt erst an seinem Ende dahinter hervor.

Damit wieder alles zusammenpasst, musste ich den kleinen schwarzen Keil im Gehäuse des rechten Scharniers noch etwas verkleinern.

Controller vorbereiten und verbauen

Der USB-Controller des Touchpanels ist relativ kompakt. Einzig die beiden Anschlüsse (links für das USB-Kabel, rechts für das Touchpanel) sind relativ hoch. Die Unterseite der Platine wird ansonsten nicht weiter genutzt.

Also müssen die beiden Bauteile für den Anschluss entfernt werden.

Anschließend können die Kabel direkt auf die Platine (Achtung: ab hier ist sie um 180° gedreht) gelötet werden. Dabei kann man die Länge der Kabel vom Controller zum Touchpanel auf die spätere Kabelführung abstimmen.

Anschließend sollte die Platine des Controllers gegen ungewollte Kurzschlüsse mit Kaptonband isoliert werden. So gesichert kann der Controller in den bereits vorbereiteten internen USB-Port gesteckt werden. Die Kabel vom Controller zum Touchpanel verlaufen an der Festplatte und der Gehäuseverschraubung vorbei und hinter der Festplatte entlang zum linken Scharnier.

So, das wars dann schon. Wer den Touchscreen Mod nachbauen möchte, dem wünsche ich viel Spaß und mindestens genauso viel Vorsicht.

Medion Akoya Mini mit Touchscreen

Hat man sorgfältig gearbeitet, bleibt das Spaltmaß des Medion Akoya Minis so gut wie unverändert und nur aufgrund des geringfügig höheren Gewichtes kann auf den Umbau geschlossen werden. Das Display lässt sich übrigens noch ausreichend weit genug aufklappen, ohne dass das Netbook ins Kippen kommt.

Die Oberfläche des Touchpanels spiegelt ganz leicht, allerdings ist die Reflektion nur im ausgeschalteten Zustand wahrnehmbar.

Treiber und Tools für den Touchscreen

TouchKit

Für das Touchscreen Kit sind Teiber für zahlreiche Betriebssysteme, darunter Windows, Mac OS und Linux, verfügbar. Die neusten Versionen der TouchKit Treiber können auf der Webseite von EETI, dem Hersteller des USB Controllers, heruntergeladen werden.

Grab & Drag

Für den Firefox existiert mit Grab & Drag ein Add-on, das den Browser für die Bedienung mit dem Touchscreen optimiert. Grab & Drag integriert sich in die Navigations-Symbolleiste und kann dort mit einem Klick aktiviert bzw. deaktiviert werden. Das Add-on lässt sich über zahlreiche Konfigurationsmöglichkeiten individuell anpassen und bietet sogar eine einfache Gestenerkennung.

IE7Pro

Auch für den Internet Explorer existiert eine Browsererweiterung zur Verbesserung der Bedienbarkeit mit einem Touchscreen. Die ebenfalls Grab & Drag genannte Erweiterung ist nicht separat erhältlich, sondern Teil der Browsererweiterung IE7Pro.

Videos

Erste Eindrücke der Bedienung des Netbooks mit dem Touchscreen

Kalibrierung des TouchKit Treibers

Rechtsklick-Funktionalität des TouchKit Treibers

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Diskussion
  1. Brice schrieb am 16.12.2008 um 19:10 Uhr:

    Hallo, kannst du bitte eine Liste von "Zutaten" schreiben, die fürdiesen Mod (neben dem Touchpanel) noch benötigt werden?Ich hab mir jetzt auch aus der amerikanischen Bucht so ein Gerät bestellt.

  2. Christian schrieb am 19.12.2008 um 14:02 Uhr:

    Hallo Brice,

    neben dem eigentlichen Panel und Controller benötigst du folgendes Werkzeug und Material:
    Lötkolben mit sehr feiner Lötspitze (besser wäre eine Lötstation),
    dünnes Lötzinn (0,5 mm),
    eventuell Entlötpumpe oder Entlötlitze,
    Pinzette oder kleine Zange,
    Cutter und Schere,
    Schraubenzieher,
    dünne Kabel (eventuell reichen auch die mitgelieferten),
    Kaptonband und Schrumpfschlauch zur Isolierung,
    Doppelseitiges Klebeband und
    bei Bedarf die Kleinteile für die Steckverbindung.

    Viel Spaß und Erfolg beim Einbau,
    Christian

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